Die Kunst orientierte sich einst an der Nachahmung

Die Kunst zählt zu den großen Werten der europäischen Kultur. Dabei nimmt sie selbst an dem Wertekanon der Gesamtkultur Anteil. Silvio Vietta sagt: „Solange die Wahrnehmung der Welt in der europäischen Denkgeschichte als eine Art Abdruck der Dinge im Bewusstsein des Menschen begriffen wurde, orientierte sich auch die Kunst an dem Begriff der Nachahmung bzw. Mimesis.“ In seiner Poetik definiert Aristoteles das Drama als eine Form der „Mimesis der Handlung“ des Mythos. Die europäische Kunst und auch Literatur begriffen sich selbst dann im Weiteren als „Nachahmung der Natur“. Diese Vorstellung dominierte bis weit ins 18. Jahrhundert hinein. Und dieser Auffassung entsprach auch eine Praxis des Zeichnens und Malens „nach der Natur“. Prof. em. Dr. Silvio Vietta hat an der Universität Hildesheim deutsche und europäische Literatur- und Kulturgeschichte gelehrt.

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Leonardo da Vincis Neugier war unstillbar

Im Frühjahr findet man den „Doldigen Milchstern“ häufig auf Wiesen, Ödland und selbst in Parks. Volker Reinhardt weiß: „Leonard da Vinci musste Mailand, wo er von 1482 bis 1499 lebte, also nicht einmal verlassen, um die attraktive Pflanze mit den oben schneeweißen, unten weißgrünen Blütenblättern in sein Notizbuch zu zeichnen.“ Bei einem Spaziergang in seinem Weinberg, einer verwilderten Gartenanlage oder in einem Zierwäldchen stieß er auch auf das „Gelbe Windröschen“. Dieses scheint auf dem gleichen Zeichenblatt zu beiden Seiten des Milchsterns zu wachsen. Auch die „Garten-Wolfsmilch“, die er unten rechts auf das Blatt zeichnete, konnte er bei dieser Gelegenheit pflücken. Ebenso die beiden anderen Wolfsmilcharten, von denen auf dem Blatt nur die oberen Blütenstände festgehalten sind. Volker Reinhardt ist Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg. Er gehört international zu den führenden Italien-Historikern.

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Die Aufklärung prägte Europa nachhaltig

Europa mag oft unbelehrbar erscheinen. Es ist aber auch unzerstörbar. Eines der Überlebensprojekte bestand in einem neuen Denkstil. Ein intellektueller Kraftakt. Jürgen Wertheimer ergänzt: „Doch es gab auch ganz andere Wege der Erneuerung – solche ästhetischer Art. Barocke Kirchen und Paläste schossen aus dem Boden, „Rom“ zog alle Register, um verlorenes Terrain gutzumachen.“ In allen katholisch geprägten Ländern entstanden Inszenierungen der Macht und Pracht. Diese hatten nur ein Ziel: die Menschen in ihren Bann zu schlagen, sie zu überwältigen. Die Jesuiten verfolgten diesen Plan bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Das geschah zu einer Zeit, in der Papsttum immer stärker in Bedrängnis geraten war und die Reformation dessen Autorität bedrohte. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Leonardo da Vinci ist unverwechselbar

Viele Künstler haben die Hoffnung, dass sie unverwechselbare, gar unvergängliche Spuren hinterlassen. Rüdiger Safranski blickt zurück: „Erst in der Renaissance wird es üblich, die Bilder zu signieren. Leonardo da Vinci bewahrt sogar seine Entwürfe auf, manche davon ebenfalls signiert.“ Es soll möglichst wenig verloren gehen, denn darauf kommt es an: irgendeine Erinnerung im Geist der Sterblichen zu hinterlassen. Leonardo da Vinci schreibt: „Auf dass dieser unser armseliger Lebenslauf nicht umsonst verfließe.“ Das ist noch recht bescheiden formuliert im Vergleich zu anderen Bekundungen gesteigerten künstlerischen Selbstbewusstseins. Tizian erzählte gerne, wie Kaiser Karl V. bei einer Porträtsitzung ihm den Pinsel aufgehoben habe, der ihm entglitten war. Rüdiger Safranski arbeitet seit 1986 als freier Autor. Sein Werk wurde in 26 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet.

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Ai Weiwei präsentiert Glaskunst in Venedig

Der weltberühmte Künstler Ai Weiwei macht in Glas. Gemeinsam mit der venezianischen Manufaktur Berengo Studios hat er unter anderem einen mattschwarzen Luster geschaffen. Dieser hängt in der Kirche San Giorgio am Canal Grande. Es handelt sich dabei um ein zweieinhalb Tonnen schweres Stück aus sandgestrahlten Glasknochen und Totenschädeln. Anlässlich der Ausstellungseröffnung traf die österreichische Zeitung „KURIER“ den kontroversiellen Künstler zum Interview. In den vergangen drei Jahrzehnten ist der westliche Hyper-Individualismus aufgeblüht. Dazu stellt Ai Weiwei fest: „Ich unterstütze die Rechte des Individuums. Gleichzeitig muss ich sagen: Wir haben heutzutage 100 Millionen Flüchtlinge. Es gibt dramatischen Wandel in der Umwelt.“ Ai Weiwei eckte mit seiner Kunst stets am chinesischen Regime an. Er wurde inhaftiert und durfte bis 2015 nicht ausreisen. Danach verließ er das Land, hat aber seinen Pass behalten.

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Die Kunst verschönert die Welt

Die Kunst wird erst dann zur Lebenskunst, und so lässt sich ein erweiterter Begriff der Schönheit verstehen, wenn der Mensch die Welt verschönert. Mehr noch: wenn der Mensch die Kunst als etwas versteht, was die Welt nicht verschmutzt. Chögyam Trungpa, buddhistischer Lehrmeister, Kalligraf, Kunstphilosoph und Lebemann formuliert in seinen Schriften zur Kunst, worum es geht. Frank Berzbach erläutert: „Er folgt der ostasiatischen Tradition, in der das Gegenteil von schön nicht hässlich ist, sondern in der sich das Böse am anderen Ende der Skala befindet.“ Es entsteht auf diesem Weg eine ethische Dimension der Schönheit. Diese hat nichts mit gefälliger Oberflächenästhetik zu tun. Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln.

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Joseph Beuys sah in jedem Menschen einen Künstler

Das Transzendente wird man niemals los, wenn es um die Schönheit geht. Frank Berzbach stellt fest: „Sie ist weder rational noch logisch, sie ist nicht nützlich und nicht unnütz. Sie lässt sich aber assoziativ und essayistisch umkreisen, ihr wohnt etwas Persönliches inne.“ Frank Berzbach glaubt an die Möglichkeit, Menschen für die Schönheit zu sensibilisieren. Kunstwerke können dabei zwar eine Rolle spielen, aber es gibt viele andere Wege, sich der Schönheit auszusetzen. Der Mensch kann ohne Kunst, nicht aber ohne Schönheit leben. Joseph Beuys sah in jedem Menschen einen Künstler. Das ist für Frank Berzbach eine einfache und wahre Vorstellung. Denn die Kreativität ist nicht im Besitz der traditionellen Künste – nicht Maler, Musiker und Schriftsteller allein sind Schöpfer, sondern genauso Ingenieure, Gärtner und Krankenschwestern. Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln.

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Die Kunstfreiheit gehört zur Demokratie

Martin Heideggers Ansicht, in der Kunst könne die für das Dasein des Menschen entscheidende Wahrheit geschehen, mag mit „Nein“ beantwortet werden, zumal die Kunst sich selbst zum Problem geworden ist. Für die Frage nach dem Freiheitsrang und Freiheitswerk der Kunst genügt laut Otfried Höffe die weit bescheidenere Annahme, die Kunst sei nicht belanglos geworden. Heutzutage hält man die Kunstfreiheit für ein selbstverständliches Recht, weshalb man gegen deren Nichtanerkennung protestieren muss und Staaten, in denen die Kunst systematisch unterdrückt wird, als Unrechtsstaaten kritisiert. Obwohl es zutrifft, dass die Kunstfreiheit zu den unverzichtbaren Elementen konstitutioneller Demokratien gehört, ist sie aber als Grundrecht relativ jung. Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

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Leonardo da Vinci malte das berühmteste Gemälde der Welt

Das Gemälde „Mona Lisa“ ist das berühmteste Porträt der Welt. Bernd Roeck erklärt: „Das Lächeln der legendenumwobenen Florentinerin ist einzigartig. Ebenso einzigartig ist die malerische Technik ihres Meisters.“ Um Illusionen von Körperlichkeit und Ferne herzustellen, legte er zahllose Lasuren übereinander. Er arbeitete sich ab an Übergängen wie einst Nikolaus von Kues am Problem der Gegensätze. Hier sind es die Widersprüche zwischen dem „noch nicht und dem nicht mehr“, einer unendlich zarten Linie nahe dem Nichts. Der Maler der „Mona Lisa“, Leonardo de Piero, 1452 geboren, hatte sein Handwerk in der Werkstatt des Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio (1435 – 1488) erlernt. Bernd Roeck ist seit 1999 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Zürich und einer der besten Kenner der europäischen Renaissance.

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David Hockney zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts

Obwohl David Hockney seit seiner Kindheit malt, was er bis heute nicht, was auf seinen Bildern in der nächsten Sekunde passieren wird. Wenn er sich einer gesellschaftlichen Gruppe zugehörig fühlt, dann der Boheme. Denn ohne Tabakrauch und Drogen gibt es sie nun einmal nicht. Als im November 2018 sein Bild „Portrait of an Artist“ in New York für rund 90 Millionen Dollar versteigert wurde, avancierte David Hockney zum teuersten lebenden Künstler. Das Gemälde ist die Darstellung einer traumatischen Trennung. Am Rand des Swimmingpools steht Peter Schlesinger, die erste große Liebe des Künstlers, der ihn kurz zuvor verlassen hatte. Unter Wasser schwimmt Schlesingers neuer Freund. Der britische Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf David Hockney gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

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Die Kunst hat einen außerordentlichen Aufschwung erlebt

Kunst dient unter anderem dem Vergnügen und der Unterhaltung. Kunst kann aber auch Ängste hervorrufen oder steigern, ähnlich kann sie Gefühle von Mitleid erzeugen oder verstärken und beide, Ängste und Mitleid, in gewisse Bahnen lenken. Im Fall des Vergnügens und der Unterhaltung dient Kunst der Entlastung. Je nach Intension und Rang kann Kunst zum vergnüglichen Schmunzeln anregen, gelegentlich sogar zum befreienden Lachen, dabei von den Mühen und Plagen der Arbeitswelt und des Alltags, auch von Sorgen befreien, wenn auch in der Regel nur vorübergehend. Otfried Höffe ergänzt: „In glücklichen Fällen vermag Kunst neue Lebenskraft zu schenken oder den Blick für entsprechende Möglichkeiten zu öffnen.“ Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

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Philosophen bewerten die Kunst sehr unterschiedlich

Zahlreiche Philosophen haben der Kultur in der Bedeutung von Kunst höchsten Wert beigemessen. Doch nicht jeder große Denker folgte ihnen darin. Platon steht der Kunst aus politischen Gründen feindselig gegenüber und vertreibt die Dichter aus seinem Staat. Immanuel Kant, der bedeutendste moderne Philosoph, reinigt die Kunst von ihrem Inhalt und reduziert sie auf die reine Form. Terry Eagleton nennt weitere Beispiele: „Für Hegel kann die moderne Kunst nicht mehr die lebenswichtige Aufgabe erfüllen, die sie in der antiken Welt wahrnahm, und muss daher der Philosophie weichen. Jeremy Bentham, dessen utilitaristische Philosophie im 19. Jahrhundert zur herrschenden Morallehre Englands wurde, erweist sich bei ästhetischen Fragen als ausgemachter Spießer.“ Der Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Terry Eagleton ist Professor für Englische Literatur an der University of Manchester und Fellow der British Academy.

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Der Großkünstler Julian Schnabel drehte einen Film über Vincent van Gogh

Der Amerikaner Julian Schnabel ist nicht nur als Maler weltberühmt, sondern hat sich auch als Regisseur international einen guten Namen gemacht. Am 18. April 2019 kommt sein Film „At Eternity´s Gate“ in die deutschen Kinos. Vincent van Gogh wird von Willem Dafoe gespielt. Es gibt mehr als 30 Filme über das niederländische Malgenie. Auf die Frage, warum es einen 31. geben muss, antwortet Julian Schnabel: „Als Maler glaube ich zu wissen, wie es ist, ein Maler zu sein. Kein Film den ich kenne, gibt das wahrheitsgetreu wieder.“ Dabei ist sein Film keine forensische Dokumentation einer Lebensgeschichte über einen großartigen Maler, der ausdrückte, was nicht auszudrücken ist. Auf die Frage, ob zwei Großkünstler wie Van Gogh und Paul Gauguin Freunde sein können, antwortet Julian Schnabel: „Selbstverständlich, sie können sogar beste Freunde sein. Cy Twombly und ich waren Freunde.“

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Bei Auguste Rodin bricht die Leidenschaft aus dem Marmor hervor

Der Mann, der für die berühmteste Plastik von Auguste Rodin „Denker“ Modell stand, war kein Intellektueller, sondern der französische Preisboxer Jean Baud, ein Mann aus dem Pariser Rotlichtmilieu, der im Hauptberuf Holzbauer war. Als Thema für seinen Denker hatte Auguste Rodin Dantes göttliche Komödie ausgewählt; sein Denker sollte den Autor Dante Alighieri darstellen. Doch der geniale Bildhauer bricht mit der Tradition des melancholischen, erschlafften Grübler, die sonst die Darstellungen des Denkens in der Kunstgeschichte prägen, und hat auch nichts mit den gelassen auf antiken Treppen lagernden Denkern der Schule von Athen zu tun: Auguste Rodins martialisch, muskulöse, kauernde Gestalt erinnert viele Kunstexperten eher an einen Athleten, der jeden Augenblick lossprinten könnte. Die ganze Figur ist reine Anspannung und Verzerrung und Energie vor dem Aus- und Aufbruch. Mit einer gewaltigen Schau im Grand Palais begehrt Paris den hundertsten Todestag des Bildhauers Auguste Rodin.

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In der Kunst spielt die Freiheit eine herausragende Rolle

Von vielen Theoretikern der Freiheit unterschätzt, spielen im Prozess der Moderne die Kunst und bei ihr das Prinzip der Freiheit eine herausragende Rolle. Ein Grund für das Unterschätzen liegt für Otfried Höffe auf der Hand: „Die wenigsten Freiheitstheoretiker verfügen über hinreichende Sachkenntnis für die so vielfältige wie vielseitige Kunst, reicht diese doch von der Musik über die bildenden Künste samt Architektur bis zur Dichtung, dem Theater und dem Film.“ Nicht minder vielfältig sind die freiheitstheoretischen Aspekte. Wie die frühe, später die klassische Philosophie Europas spricht auch die älteste europäische Literatur griechisch. Die ältesten Dichtungen des europäischen Kulturraums werden einem gewissen Homer zugesprochen, der die Epen „Ilias“ und „Odyssee“ schuf. Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

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Ein Künstler darf keinem Ideal hinterherhecheln

In der Kunst muss es für den österreichischen Künstler Erwin Wurm den Punkt geben, an dem man sagt: Es reicht, jetzt ist es gut: „Es gibt immer zwei Kunstwerke: Das eine ist in meinem Kopf, das andere steht vor mir. Wenn beide kongruent sind, ist es optimal. Das ist aber nie der Fall.“ Trotzdem darf ein Künstler dem Ideal nicht hinterherhecheln. Das wäre der schlimmste Fehler überhaupt, weil man dann verbissen wird, die Intuition einbüßt und die Alternativen aus dem Blick verliert. Ein Zufall kann schöner und schlüssiger sein als ein Plan. Der deutsche Maler Gerhard Richter hat einmal gesagt, seine Bilder seien schlauer als er. Auch Erwin Wurm lässt sich von seinen Skulpturen führen und kontrollieren. Nur so können sie seiner Meinung nach gut werden.

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Kunst und Leben stimmen nicht immer überein

Julian Schnabel (64) kam Ende der siebziger Jahre als einer der Hauptvertreter des Neoexpressionismus zu Ruhm. Zu seinem Markenzeichen wurden riesige Formate und die zerbrochenen Teller, Lastwagenplanen und Segel, auf die er malte. Ab Mitte der neunziger Jahre machte er als Filmregisseur Furore, mit „Basquiat“ (1996), „Before Night Falls“ (2000) und „Miral“ (2010). Für „Schmetterling und Taucherglocke“ (2007) wurde Julian Schnabel mit dem Golden Globe als bester Regisseur ausgezeichnet. Das Grundinteresse des New Yorker Malers liegt allerdings in der Erfahrung des Malens. Julian Schnabel erklärt: „ Ich mag die Beziehung, die ich mit Objekten und der Leinwand habe, und das Zusammenspiel der verschiedenen Materialien. Es öffnet mir eine Türe, durch die ich verschwinden kann. Ich kann durch meine Malerei auf irgendeine Weise verändert werden, und ich beziehe daraus etwas für mich.“

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Georg Baselitz zählt zu den erfolgreichsten Künstlern der Welt

Deutschland beschäftigt sich mit wenigen Künstlern so eingehend wie mit Georg Baselitz. Museen widmen ihm wie jetzt 2016 in Frankfurt am Main, große Ausstellungen. Und doch hat Georg Baselitz gegenüber Deutschland ein tief sitzendes Unsicherheitsgefühl. Sogar Angst, eine geradezu physische Angst. Er traut diesem Land nicht, er traut dem Frieden nicht. Georg Baselitz sagt: „Ich habe Angst vor der Politik, die mir nicht behagt. Ich habe zwei Gesellschaftsordnungen hinter mir gelassen, den Nationalsozialismus, dann den Sozialismus beziehungsweise Kommunismus. Und die deutsche Neigung sich einzumischen in das Leben der Menschen, ist im Moment wieder sehr groß.“ Georg Baselitz hat einfach Angst vor einem Polizeistaat. Manchmal macht der Staat auf ihn einen sehr schwachen Eindruck, aber wenn es darauf ankommt, dann ist er das nicht.

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Vincent van Gogh möchte mit seinen Bildern Trost spenden

Das Malergenie Vincent van Gogh, das vor 125. Jahren starb, schrieb einmal an seinen vier Jahre jüngeren Bruder Theo folgendes: „Ich fühle, dass es nichts gibt, was wirklich künstlerischer wäre, als die Menschen zu lieben.“ Dieser Liebe traute Vincent van Gogh es zu, die Menschen von all ihren geistfernen Alltagsbanalitäten zu befreien, in denen er sie wie in ein Gefängnis eingeschlossen sah. In einem weiteren Brief an Theo heißt es: „Was das Gefängnis zum Verschwinden bringt, ist jede ernste tiefe Zuneigung! Freund sein, Bruder sein, lieben. Und wo diese Liebe neu geboren wird, wird das Leben neu geboren.“ Aus ganzer Seele sehnt sich Vincent van Gogh, dieser unermüdliche Sinnsucher des Lebens, sich nach einer solchen Neugeburt. Dazu verhilft ihm die Malerei, die ihm überhaupt dazu dient, die Aufgaben des Lebens zu bewältigen.

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Die Menschen haben keinen Respekt mehr vor Kunstwerken

Christo, der am 13. Juni 1935 als Christo Vladimirow Javacheff in Bulgarien geboren wurde, hasst es, wenn man ihn Verpackungskünstler nennt. Weil das seiner Meinung nach eine grobe Vereinfachung ist. Außerdem hat er schon lange nichts mehr verpackt. Die „Gates“ im Central Park waren keine Verpackung, die „Schirme“ und der „Running Fence“ auch nicht. Christo ergänzt: „Die letzte Idee, etwas zu verpacken, hatten wir 1975, das war Pont Neuf. Den Berliner Reichstag wollten wir schon 1971 verpacken, es hat nur ein bisschen länger gedauert.“ Christo arbeitet immer mit Stoffen, weil sie den provisorischen Charakter, die Vergänglichkeit seiner Projekte verkörpern. Jeanne-Claude, seine Ehefrau, die 2009 starb, und Christo waren wie Nomaden in der Kunst: Sie haben immer schnell ihre Zelte aufgeschlagen und sind nach ein paar Wochen schon wieder weitergereist.

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Der Maler Joan Miró zählt zu den Ikonen des Surrealismus

Der spanische Maler, Grafiker und Bildhauer Joan Miró zählt zu den bekanntesten Vertretern des Surrealismus. Ab dem 12. September 2014 sind seine Werke in der Wiener Albertina ausgestellt. Ein Leitsatz eines der außergewöhnlichsten Künstler des 20. Jahrhunderts lautete: „Wichtiger als ein Kunstwerk selbst ist seine Wirkung. Kunst kann vergehen, ein Bild zerstört werden. Was zählt, ist die Saat.“ Juan Miró wollte, dass sich die Menschen an ihre Unbefangenheit aus Kindheitstagen erinnern, sie in ihnen wiedererwecken. Seine Vielzahl von Gemälden, Grafiken und Skulpturen, die er hinterließ, sind geprägt durch eine beschwingte Leichtigkeit und kindlichen Phantasie. Das ist sein Vermächtnis, das er den Betrachtern mitgeben wollte. Der katalonische Maler Joan Miró zählt neben Salvador Dalí, René Magritte, Max Ernst und Meret Oppenheim zu den Ikonen des Surrealismus.

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Das Haus der Kunst ist weltweit einzigartig und innovativ

Seit 2011 ist Okwui Enwezor Direktor des Hauses der Kunst in München, das unter seiner Leitung nach wie vor eine sehr stabile Institution darstellt. Zusammen mit seinem Team arbeitet er sehr präzise an der Aufgabe, das Haus der Kunst als ein Zentrum für zeitgenössische Kunst ständig weiterzuentwickeln. Okwui Enwezor erklärt: „Diese Aufgabe erstreckt sich über die reine Ausstellungstätigkeit hinaus und reicht bis zu einem breit gefächerten Vermittlungsprogramm – angefangen bei Kindern über Jugendliche bis hin zu Studenten und Erwachsenen.“ Abgesehen davon entwickelt das Haus der Kunst mit Unterstützung von Stipendiaten den Forschungsbereich weiter. Das alles zusammengenommen macht das Haus der Kunst zu einer großartigen Institution. Okwui Enwezor weist darauf hin, dass eine Organisation wie das Haus der Kunst sehr komplex ist, aber deswegen nicht unbedingt kompliziert.

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Emil Nolde erzielte allein mit den Farben seine größten Effekte

Emil Nolde war schon über dreißig Jahre alt, als er sich zum Maler ausbilden ließ. Schon in der Anfangszeit seiner Künstlerkarriere fiel auf, mit welcher Sicherheit er sich in den Genres, der von ihm besuchten dänischen Malschulen bewegt hat. Seine frühen Meer- und Strandbilder wirken in ihrer bleiernen Ruhe fast abstrakt. Weitere Motive, die ihm leicht von der Hand zu gehen scheinen, sind Menschen im blendend hellen Sommerlicht des Nordens, Spukwesen, die den Himmel des Morgens verdüstern sowie bürgerliche Interieurs und Porträts. Eine eigene künstlerische Handschrift entwickelt Emil Nolde erst um 1907 in seinen Ansichten von Wäldern und Feldern. Hier setzt sich der Maler mit den spontanen Farbsetzungen van Goghs und mit dem Divisionismus der Postimpressionisten auseinander. Die Ausstellung „Emil Nolde, Retrospektive“ ist noch bis zum 15. Juni im Frankfurter Städel-Museum zu sehen.

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Michelangelo betrachtete sich als den zweiter Schöpfer der Welt

Das Künstlergenie Michelangelo, das von 1475 bis 1564 lebte, starb am 18. Februar von 450 Jahren. Michelangelo malte und arbeitete nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern es ging ihm immer um die ganze Menschheit, die sich in seiner Kunst wiederfinden sollte, überall und zu allen Zeiten. Denn was Michelangelo schuf, war von universaler Wahrheit. Deshalb hat auch die Würdigung seiner Kunst durch späterer Generationen erwartet. Er sah in sich selbst so etwas wie einen zweiten Schöpfer der Welt. Deswegen sieht der Gott an der Decke der Sixtinischen Kapelle mit seinem langen Bart Michelangelo sehr ähnlich. Er stellt Gott als dynamische Gestalt dar, die über die Bildfelder tanzt, das Helle vom Dunklen trennt, Sterne, Tiere, Pflanzen und schließlich den Menschen erschafft.

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Für den Maler Théodore Géricault ist das Leben ein ewiger Kampf

Der französische Maler und Romantiker Théodore Géricault, der von 1991 bis 1824 lebte, hat eines der bedeutendsten Schlüsselbilder des 19. Jahrhundert gemalt: „Das Floß der Medusa“. Das Werk wird zu den größten Kunstwerken Frankreichs gezählt und gehört ohne Zweifel auch zu den meistbewunderten Gemälden der französischen Kunst. Es beeindruckt den Betrachter durch seine visionäre Malerei, die ins Kosmische und Endzeitliche vorzudringen scheint und durch den dramatischen Furor, mit dem im Bild Hoffnung und Verzweiflung aufeinanderprallen. Nicht nur in diesem berühmten Bild ist für den Maler Théodore Géricault das Leben ein ewiger Kampf, sondern generell eine einzige physische wie psychische Bedrohung. Körper, Geist und Psyche sind immer von Angriffen bedroht, von Schlägen des Schicksals, die schwere Traumata hinterlassen, ja zu langem Leiden oder zum plötzlichen Tode führen können.

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