Gefühle bestimmen heute alles

Unverhältnismäßiges Aggressionsverhalten ist nicht auf Covid-19-Leugner oder Verharmloser der Epidemie beschränkt. Richard David Precht weiß: „Es findet sich ebenso auf der Seite von Konformisten, denen die Pflichterfüllung zum unbegrenzten und rüden Missionsauftrag wird. Das Gefühl, aus legitimer Aggression zu handeln, schmiedet beide Seiten viel enger zusammen, als es ihrem Selbstverständnis entspricht.“ Es gibt viele Gründe, warum Maßhalten mit den eigenen Emotionen heute nicht mehr die gleiche Rolle spielt wie in der Antike. Und von dort bis tief ins 20. Jahrhundert hinein. Gefühle gelten heute als legitim und bestimmen alles, vom privaten Gespräch bis zur medialen Berichterstattung. Stets geht es darum, wie ein Mensch etwas fühlt. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Was ist der Unterschied zwischen Dampfen und Rauchen?

Die steigende Popularität von E-Zigaretten hat zu einer verstärkten Diskussion über die Unterschiede zwischen dem Dampfen und dem Rauchen geführt. Viele Menschen betrachten E-Zigaretten als potenziell weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. In diesem Artikel werden wir die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Dampfen und dem Rauchen untersuchen, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie … Weiterlesen

Menschen verfolgen Ziele

Fabian Scheidler weiß: „Ohne die Berücksichtigung der Innenwelt ergibt auch die Außensicht gar kein verständliches Bild des Lebens.“ Menschen können zum Beispiel die Tatsache, dass Lebewesen etwas zielgerichtet und absichtsvoll tun und nicht einfach nur mechanisch reagieren, ohne die Innenwelt nicht verstehen. Dass Menschen Ziele verfolgen, hat damit zu tun, dass sie Qualitäten erleben und sich an sie erinnern. Die menschlichen Ziele werden, ob im Großen oder Kleine, zu einem beträchtlichen Teil von der persönlichen Innenwelt geführt. Diese grundlegende Erfahrung kollidiert allerdings mit einem zentralen Dogma der modernen Biologie. Nämlich dass biologische Systeme allein von mechanistischen beziehungsweise chemischen Ursachen angetrieben werden und nicht von Zielen und Zwecken. Mit anderen Worten: Die Welt des Erlebens und Wollens kann nach diesem Dogma nicht Ursache für Verhalten sein. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Mediale Codes sind keine Verfälschungen

Heutzutage greift bei vielen Menschen eine Entfremdung von der Wirklichkeit um sich. Diese basiert auf einer verzerrten Auffassung davon, was eigentlich geschieht, wenn sie etwas wahrnehmen. Markus Gabriel erklärt: „Diese verzerrte Auffassung hält unsere Wahrnehmungen für eine Simulation, ein Kopfkino, das bestenfalls mehr oder weniger zufällig mit der Wirklichkeit in Verbindung steht. Dieser Auffassung zufolge ist Wahrnehmung also nicht etwa eine an sich wirkliche Erfassung des Wirklichen, sondern eine Illusion.“ Die Sinnesmodalitäten der Menschen sind Medien. Ein Medium ist eine Schnittstelle, die Informationen von einem Code in einen anderen überträgt. Zu den Sinnesmodalitäten gehören das Sehen, das Hören und das Verstehen. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

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Crazy Gefühle sind total weit verbreitet

In ihrem Buch „Psychologie to go! Wie verrückt sind wir eigentlich?“ erklärt die Psychotherapeutin mit eigener Praxis und Podcasterin Franca Cerutti, was im Körper eines Menschen bei psychischen Erkrankungen, die oft unseren Alltag erschweren, konkret passiert. Unter „verrückt“ versteht die Autorin eine leichte Verrückung aus der Norm heraus. In ihrem Buch möchte Franca Cerutti zeigen, dass einiges, was man selbst an seinem Denken, seinen Gefühlen oder seinem Verhalten ganz schön crazy findet, eigentlich total verbreitet ist. Alle Fragen, die der Psychotherapeutin je zu seelischen Schieflagen gestellt wurden, beantwortet sie in „Psychologie to go!“. Mehr als jeder vierte Erwachsene erfüllt die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Etwa 18 Millionen Deutsche leiden unter Symptomen, die so gravierend sind, dass eine ausgeglichene, stabile Alltagstauglichkeit nicht mehr gegeben ist.

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Die eine unabhängige Wahrheit gibt es nicht

Gotthold Ephraim Lessing war davon überzeugt, dass es die eine unabhängige Wahrheit nicht gibt. Sondern dass es Wahrheit nur durch den Vergleich der Perspektiven verschiedener Menschen geben kann. Denn im Streit der Meinungen, im Prozess des Austauschs von Gründen, ist es möglich, dass die jeweils perspektivischen Bestimmungen der Wahrheit an Allgemeinheit gewinnen. Dadurch werden sie mehr als subjektive, willkürliche Bestimmungen oder bloße Meinungen. Juliane Rebentisch erklärt: „Dennoch aber, und auch das war Lessing durchaus bewusst, kann keine Bestimmung der Wahrheit die Bedingung der Endlichkeit aufheben. Auch die jeweils als allgemein gültig akzeptierten Bestimmungen bleiben prinzipiell an die Möglichkeit ihrer Bestreitung ausgesetzt.“ Nichts, auch das, was sich als Wahrheit etablieren mag, ist vor dieser Möglichkeit sicher oder sollte es sein. Juliane Rebentisch ist Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main.

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Soziale Verbundenheit könnte ein Idealzustand sein

Das Assimilationsideal strebt nach sozialem Zusammenhalt, opfert aber dafür das Bedürfnis des Einzelnen, mit seiner Herkunftsgemeinschaft in Verbindung zu bleiben. Das Multikulturalismusideal wertet diese Verbindung zu diesen Herkunftsgemeinschaften auf Kosten sowohl eines vernünftigen Identitätsverständnisses als auch der wertvollen Fluidität sozialer Bindungen auf. Danielle Allen stellt fest: „Das Ideal sozialer Verbundenheit und einer vernetzten Gesellschaft wart dagegen die Autonomie.“ Eine Assoziationsökologie, die das Bauen von Brücken maximiert, sollte egalitäre Effekte mit sich bringen. Zudem sollte sie die Wahrscheinlichkeit minimieren, dass soziale Differenz sich mit Herrschaft verknüpft. Damit hat Danielle Allen ein soziales Prinzip der Organisation formuliert. Danielle Allen ist James Bryant Conant University Professor an der Harvard University. Zudem ist sie Direktorin des Edmond J. Safra Center for Ethics in Harvard.

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Das Gedächtnis begründet die Identität

Es gibt eine ganz entscheidende Komponente, welche die Identität eines Menschen begründet. Und sie ist wahrscheinlich die Wesentliche, nämlich das Gedächtnis. Carlo Rovelli schreibt: „Wir sind keine Gesamtheit aus voneinander unabhängigen Prozessen, die in aufeinanderfolgenden Momenten ablaufen.“ Jeder Moment der Existenz ist über das Gedächtnis über einen besonderen doppelten Faden mit der Vergangenheit – der unmittelbar vorangehenden und der ferneren – verknüpft. Die Gegenwart eines Menschen wimmelt von Spuren aus seiner Vergangenheit. Menschen sind für sich selbst Geschichten oder Erzählungen. Was einen Menschen ausmacht, sind auch seine Gedanken. Jeder ist diese lange Roman, der sein Leben ist. Menschen bestehen unter anderem aus dem Gedächtnis, das die über die Zeit verstreuten Prozesse zusammenfügt. Carlo Rovelli ist seit dem Jahr 2000 Professor für Physik in Marseille.

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Kredite dienen Investitionen oder dem Verbrauch

Staaten, Unternehmen und private Haushalte nehmen Kredite auf, um damit Investitionen oder ihren Verbrauch zu finanzieren. Nouriel Roubini ergänzt: „Öffentliche und private Investitionen zahlen für Dinge, die weit in die Zukunft reichen. Staaten finanzieren mit dem geliehenen Geld Häfen, Straßen, Brücken und andere Infrastruktureinrichtungen.“ Privatwirtschaftliche Unternehmen kaufen Maschinen, Software oder Computer, um Waren zu produzieren oder Dienstleistungen bereitzustellen. Und private Haushalte investieren in Eigenheime und Bildung. Investition auf Kredit kann sinnvoll sein, solange der Ertrag der Investition höher ist als ihr Preis. Bei Konsum auf Pump verwendet man das geliehene Geld dagegen, um laufende Kosten zu bestreiten, die man eigentlich aus dem Einkommen bezahlen sollte. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.

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Zarathustra predigt tauben Ohren

Die riskante Anstrengung kann zu einem Übergang in eine gesteigerte Daseinsform, beziehungsweise zum Übermenschen führen. Gleichzeitig ist dabei ein finaler Untergang möglich. Konrad Paul Liessmann erklärt: „Bei Friedrich Nietzsche ist die Zukunft der Menschheit nicht hell, weil die Katastrophe als Möglichkeit immer präsent bleibt.“ Nicht zuletzt verweist darauf dieses großartige „Oh Mensch!“ Oh Mensch! Die Versuchung liegt nahe, hier einen ermahnenden, drohenden, enttäuschten Anruf zu hören. Zumindest Zarathustra macht die Erfahrung, dass er tauben Ohren predigt. Die Menschen lassen es an Bereitschaft vermissen, über sich hinauszugehen. Sie mögen sich nicht nur als Übergang verstehen und ihren Untergang feiern. Konrad Paul Liessmann ist Professor für Philosophie an der Universität Wien. Zudem arbeitet er als Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Im Zsolnay-Verlag gibt er die Reihe „Philosophicum Lech“ heraus.

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News bedeuten heute vor allem „Skandal“

Viele Menschen sehen sich heute nach Tiefgang. Davon ist Anders Indset überzeugt. Donald Trumps Popularisierung von Fake News führt zu einer Gegenreaktion. Sie verstärkt den Druck auf die Validierung. Anders Indset stellt fest: „Das Phänomen lässt uns mehr Masse mit mehr Klasse gleichsetzen.“ In früheren Zeiten war der Abstand zwischen Ereignis und Bericht größer. Es gab wenige Quellen. Darum hatte man Zeit für eine umfangreiche Recherche. Heute bleibt nicht einmal die Zeit, Die Fehlaussagen und Unwahrheiten aufzuarbeiten. Durch die Demokratisierung und Technologisierung wurde jeder zum Broadcaster, kostenfrei von überall. Das Problem der neuen Technologien ist, dass News heute vor allem „Skandal“ bedeuten. Je größer die Masse, desto lauter, schräger und skurriler muss es sein. Anders Indset, gebürtiger Norweger, ist Philosoph, Publizist und erfolgreicher Unternehmer.

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Ökonomen bewerten das Leben statistisch

Es ist eindeutig nicht so, dass das Leben heilig und nicht verhandelbar ist. Sozialstatistiken beweisen, dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt aufgrund von Vernachlässigung und mangelnder Behandlung sterben. Auch viele moderne Bürokratien wägen bei der Zuteilung von Ressourcen die Wahrscheinlichkeiten auf Kosten von Leben und Tod ganz selbstverständlich ab. Adam Tooze ergänzt: „Jeden Tag, überall auf der Welt, werden Arbeitnehmer tödlichen Risiken ausgesetzt, um ihren Arbeitgebern zusätzliche Kosten zu ersparen.“ Die Einbeziehung des Todes in ein ökonomisches Kalkül ist unausweichlich, zugleich aber auch, wie seine Einbeziehung in die Politik, instabil und umstritten. Obwohl es eigentlich unmöglich ist, einem menschlichen Leben einen Wert beizumessen, haben Ökonomen die Technik entwickelt, „statistische Leben“ zu bewerten. Adam Tooze lehrt an der Columbia University und zählt zu den führenden Wirtschaftshistorikern der Gegenwart.

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Ökonomie und Polarisierung entmachten die Demokratie

In seinem Buch „Das Unbehagen in der Demokratie“ beschreibt Michael J. Sandel wie nicht rechenschaftspflichtige Macht und verfestigte Polarisierung zusammenhängen. Beide entmachten demokratische Politik. Der Autor schreibt: „Die Kulturkämpfe sind so kontrovers und unwiderstehlich, dass sie uns davon abhalten, gemeinsam das System von einseitiger Manipulation zu befreien.“ Um die amerikanische Demokratie wieder aufleben zu lassen, muss man zwei Fragen erörtern. Wie kann man die Wirtschaft so reformieren, dass sie demokratischer Kontrolle unterliegt? Und wie kann man die Polarisierung abschwächen, damit die Amerikaner die Fähigkeit erlangen, sich zu effektiven demokratischen Bürgern zu entwickeln? Es kommt also darauf an, einerseits wirtschaftliche Macht zur Verantwortung zu ziehen und andererseits die Bürgerschaft zu stärken. Michael J. Sandel ist ein politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Er zählt zu den weltweit populärsten Moralphilosophen.

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Die Emanzipation verändert auch die Männer

Noch zur Zeit der Aufklärung wurden Knechte wie Mägde, aber auch Frauen ganz allgemein als unmündig angesehen. Immanuel Kant bezeichnete 1793 noch die Unmündigkeit der Frauen als natürlich gegeben und nannte sie in einem Atemzug mit der der Kinder. Ulf Poschardt stellt fest: „Mündige Männer freuen sich gut zweihundert Jahre später über die Emanzipation der Frauen.“ Die „emancipatio“ meinte im Lateinischen die Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt oder auch die Freilassung eines Sklaven. Mündigkeit kennt kein Geschlecht. Sie ist eine universalistische Idee von Humanität und Fortschritt. Durch den Prozess der Emanzipation werden nicht nur Frauen andere, auch die Männer verändern sich mit ihnen. Die kulturellen Rollenbilder verschieben sich drastisch und schnell. Seit 2016 ist Ulf Poschardt Chefredakteur der „Welt-Gruppe“ (Die Welt, Welt am Sonntag, Welt TV).

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Der Klimawandel verursacht ein massenhaftes Artensterben

Während des Industriezeitalters ging ein Drittel der Böden der Erde durch Erosion verloren. Und Wissenschaftler warnen, dass die Menschheit zur Ernährung der Weltbevölkerung nur noch Erdreich für sechzig Jahre hat. Jeremy Rifkin erläutert: „Für die Entstehung von fünf Zentimetern Erdreich ist ein Jahrtausend und mehr nötig. Und die Wissenschaft befürchtet auch, dass der Klimawandel ein massenhaftes Artensterben verursacht. Diesem könnten in den nächsten achtzig Jahren fast die Hälfte aller heute lebenden Arten zum Opfer fallen. Gleichzeitig hat die Erde ein ernstes Sauerstoffproblem – und es wächst in alarmierender Geschwindigkeit. Die Hälfte des Sauerstoffs, der auf der Erde durch Photosynthese entstehe, wird durch Phytoplankton in den oberen Schichten der Ozeane gebildet. Jeremy Rifkin ist einer der bekanntesten gesellschaftlichen Vordenker. Er ist Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends in Washington.

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Viele Menschen fürchten sich vorm Alter

Am Ende des Lebens kann sich die Frage, ob das Leben jetzt oder später noch lebenswert ist, mit Vehemenz aufdrängen. Besonders deutlich zeigt sich dies im hohen Alter, wenn viele Fähigkeiten verloren gehen, geliebte Menschen sterben und Verlusterfahrungen großen Raum einnehmen können. Barbara Schmitz weiß: „Die Angst, kein lebenswertes Leben mehr im Alter zu haben, wenn man bettlägerig und auf die Hilfe anderer angewiesen ist, prägt die Vorstellungen vieler Menschen.“ Noch drastischer ist die Situation bei Demenz. Hier gehen nicht nur einzelne Fähigkeiten verloren, sondern die gesamte Persönlichkeit eines Menschen scheint so stark verändert, dass sie kaum noch wiederzuerkennen ist. Barbara Schmitz ist habilitierte Philosophin. Sie lehrte und forschte an den Universitäten in Basel, Oxford, Freiburg i. Br., Tromsø und Princeton. Sie lebt als Privatdozentin, Lehrbeauftragte und Gymnasiallehrerin in Basel.

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Der Krieg spielt auch weiterhin eine bedeutende Rolle

Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, sollte sich zunächst mit der Gegenwart vertraut machen. Und obendrein ist es bei politischen Prognosen ratsam, die gegenwärtigen Verhältnisse mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Denn dann bekommt man eine Vorstellung davon, was sich in der jüngeren Vergangenheit verändert hat und was sich gleichgeblieben ist. Herfried Münkler erklärt: „In der Regel nämlich kann man davon ausgehen, dass die in der jüngeren Vergangenheit zu beobachtenden Entwicklungen sich in der nächsten Zukunft fortsetzen werden.“ Hieraus kann man erste Elemente einer Prognose ableiten. In diesem Sinne lässt sich eine Prognose von bloßer Prophetie unterscheiden. Voraussagen über das Kriegsgeschehen der Zukunft sind nicht nur in wissenschaftlicher, sondern in diesem Fall auch in moralischer Hinsicht riskant. Herfried Münkler ist Professor em. für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Benjamin Franklins Devise lautet: „Zeit ist Geld“

In Benjamin Franklins Devise „Zeit ist Geld“ steckte nicht zuletzt auch seine Überzeugung, für fleißiges Arbeiten müsse es immer eine Belohnung geben. Handel sei nichts anderes, erklärte er, „als der Austausch von Arbeit gegen Arbeit“ und daraus folge, dass sich „der Wert aller Dinge […] am gerechtesten in Arbeit messen lässt. James Suzman stellt fest: „Das Dogma, dass fleißiges Arbeiten Wert schafft, wird fast überall auf der Welt schon Kindern per Tröpfchen-Infusion oder mit harter Hand verabreicht.“ Dabei haben die Eltern die Hoffnung, man könne ihnen dadurch eine gute Arbeitsethik einimpfen. Tatsächlich besteht in den größten Volkswirtschaften der Welt bis heute kaum eine sichtbare Entsprechung zwischen Arbeitszeit und geldwerter Belohnung dafür. James Suzman ist Direktor des anthropologischen Thinktanks Anthropos und Fellow am Robinson Collage der Cambridge University.

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Das Erleben ist eine Form des Seins

Erleben heißt, abstrakt formuliert, Informationen konsumieren. Byung-Chul Han erklärt: „Wir wollen heute mehr erleben als besitzen, mehr sein als haben. Das Erleben ist eine Form des Seins.“ So schreibt Erich Fromm in „Haben oder Sein“: „Haben bezieht sich auf Dinge […]. Sein bezieht sich auf Erlebnisse […]. Erich Fromms Kritik, die moderne Gesellschaft orientiere sich mehr am Haben als am Sein, greift heute nicht ganz. Denn viele Menschen leben heutzutage ein einer Erlebnis- und Kommunikationsgesellschaft, die das Sein dem Haben vorzieht. Für sie gilt nicht mehr die alte Maxime des Habens: „Ich bin umso mehr, je mehr ich habe. Die neue Maxime des Erlebens lautet: Ich bin umso mehr, je mehr ich erlebe.“ Die Bücher des Philosophen Byung-Chul Han wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt

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Die Evolution des Menschen beginnt vor rund fünf Millionen Jahren

Die Evolutionsgeschichte der ersten „Hominini“ ist die Geschichte der frühesten protomenschlichen Vorläufer nach der Abspaltung von dem Vorfahren, den die Menschen der Gegenwart mit den anderen heute noch lebenden Menschenaffen teilen. Hanno Sauer erläutert: „Diese kritische erste Phase unserer Evolution lässt sich ungefähr auf die Zeit vor fünf Millionen Jahren eingrenzen.“ Die erhaltenen Fossilien finden sich hauptsächlich im östlichen Afrika, Äthiopien, Kenia und Tansania. Die zweite Hauptkonfrontation von Fossilienfunden liegt in Südafrika. Heute sind die versteinerten Überbleibsel in paläoanthropologischen Forschungsinstituten auf der ganzen Welt zerstreut. Die Geschichte der Menschwerdung, die diese Funde erzählen, ist vorläufig. Sie bleibt in der „Geiselhaft empirischer Daten“ und droht jederzeit durch neue Entdeckungen revidiert, korrigiert oder überholt zu werden. Hanno Sauer ist Associate Professor of Philosophy und lehrt Ethik an der Universität Utrecht in den Niederlanden.

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Das eilige Meinen richtet tagtäglich Verseuchungen an

Aus Wolfgang Hildesheimers „Mitteilungen an Max“ stammt das Zitat, das Reinhard K. Sprenger zum Titel seiner Aufsatzsammlung „Gehirnwäsche trage ich nicht“ wählte. Es verweist auf die Verseuchungen, welche die Pathosformeln und das eilige Meinen tagtäglich anrichten. Versammelt sind in seinem neuen Buch vorrangig Texte, die er in der NZZ – „Neue Zürcher Zeitung“ publizierte. Seit Angedenken übt sich der Mensch, den Zufall zu bändigen, die Fülle der Möglichkeiten zu begrenzen, seine Welt zu ordnen und festzulegen. Und je mehr ihm das gelingt, desto mehr leidet er unter dem Restrisiko. Desto mehr artikuliert sich das Bedürfnis, den Zufall möglichst vollständig aus dem Leben zu verbannen. Man will kontrollieren, alles, irgendwie, auch den eigenen Körper. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

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Ohne Freiheit ist Verantwortung nicht möglich

Ina Schmidt schreibt: „Freiheit ist sowohl eine Voraussetzung für verantwortliches Handeln als auch immer wieder ein Hindernis, klare verallgemeinerbare Regelungen im Sinne des vermeintlich Guten durchzusetzen.“ Immer wieder ist es der Verweis auf das hohe Gut der Freiheit, die so mancher ethischen Debatte oder moralischen Vorstellung den Riegel vorschiebt und andererseits die Diskussion darum überhaupt erst eröffnet. Das als gut Anerkannte gebietet möglicherweise eine bestimmte Handlungsweise. Dennoch hat jeder in vielen moralischen Fragen die Freiheit, sich auch anders zu entscheiden. Es geht bei jeder Form von Verantwortung nicht nur um den Schutz, sondern auch um den Gebrauch der eigenen Freiheit. Ina Schmidt ist Philosophin und Publizistin. Sie promovierte 2004 und gründete 2005 die „denkraeume“. Seitdem bietet sie Seminare, Vorträge und Gespräche zur Philosophie als eine Form der Lebenspraxis an.

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Alles könnte auch anders sein

Nichts, buchstäblich nichts, ist mit absoluter Notwendigkeit so, wie es gerade ist. Daraus lässt sich ableiten, dass alles auch anders sein könnte. Armin Nassehi erklärt: „Der Fachbegriff dafür ist Kontingenz. Er meint: nichts ist notwendigerweise so, wie es ist, aber eben auch nichts ist zufällig so, wie es ist.“ Das sozialwissenschaftliche Denken beginnt also mit einer doppelten Erfahrung. Einerseits weiß man am besten von allen, wie arbiträr, bisweilen sogar fragil, in jedem Fall aber historisch relativ und damit konstruiert das Meiste ist. Andererseits weiß man mit am genauesten, wie wirkmächtig gesellschaftliche Muster sind und wie stark das menschliche Verhalten strukturiert ist. Das individuelle Verhalten wie auch der Zustand sozialer Aggregate sind sehr berechenbar. Armin Nassehi ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Der Neue Moralische Realismus klärt auf

Markus Gabriel stellt die ethischen Grundbegriffe der neuen Aufklärung vor, die sich aus einigen Kernthesen ergeben. Die Kernthesen des Neuen Moralischen Realismus lauten wie folgt. Erstens gibt es von den Privat- und Gruppenmeinungen unabhängige moralische Tatsachen. Diese bestehen objektiv. Zweitens sind die objektiv bestehenden moralischen Tatsachen durch den Menschen erkennbar, also geistabhängig. Sie richten sich an Menschen und stellen einen Moralkompass dessen dar, was man tun soll, tun darf oder verhindern muss. Sie sind in ihrem Kernbestand offensichtlich und werden in dunklen Zeiten durch Ideologie, Propaganda, Manipulation und psychologische Mechanismen verdeckt. Seit 2009 hat Markus Gabriel den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

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Die Masse ist unfähig zu einem eigenen Urteil

Silvio Vietta stellt fest: „Das 19. und auch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts waren keine glücklichen Zeiten für Europa und die Weltgemeinschaft.“ Demographisch nahm die Bevölkerung in Mitteleuropa dramatisch zu. Das ging einher mit einer enormen Urbanisierung, auch Proletarisierung der Bevölkerung. Sie bildete den Hintergrund für jene Theorie der „Masse“, wie sie Gustave le Bon in seinem Buch „Psychologie der Massen“ von 1895 beschrieben hat. Dabei handelt es sich um einen Typus der denkunfähigen und denkunwilligen Masse. Diese ist nach Gustave le Bon unfähig zu eigenem Urteil. Daher ist sie anfällig für suggestive Wörter, Bilder und emotionale Rede und somit Wachs in den Händen von Diktatoren. Prof. em. Dr. Silvio Vietta hat an der Universität Hildesheim deutsche und europäische Literatur- und Kulturgeschichte gelehrt.

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