Alle Menschen können nicht vegan leben

Veganer meinen, der komplette Verzicht auf tierische Lebensmittel wäre heute schon das probateste Mittel, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Die Vertreter der Fleisch-, Milch- und Geflügelwirtschaft sehen das natürlicherweise etwas anders. Malte Rubach stellt fest: „Zwischen diesen Standpunkten tut sich allem Anschein nach das weite Tal der Ahnungslosen auf.“ Das Thünen-Institut ist eine Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Es hat 2019 ermittelt, dass der Anteil der Ernährung in Deutschland vom Acker bis zum Teller etwa 19 Prozent aller Treibhausgase in Deutschland ausmacht. Laut Thünen-Institut sind dabei tierische Lebensmittel für 54 Prozent der Treibhausgase der Ernährung in Deutschland verantwortlich. Oder anders gesagt, für zehn Prozent aller Treibhausgase in Deutschland. Der Referent und Buchautor Dr. Malte Rubach hat Ernährungswissenschaften in Deutschland, der Türkei und den USA studiert.

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Homer umgab eine Aura von Göttlichkeit

Das Schicksal Trojas hörte nie auf, die Griechen zu beschäftigen. Sogar Xerxes hatte bei seiner Ankunft am Hellespont verlangt, dass man ihm den Ort zeige. In der „Ilias“ war die Erinnerung an jene aufgehoben war, die im Staub der Ebene vor Troja gekämpft hatten. Zudem gab sie den Griechen auch ihr wichtiges Fenster auf das Wirken der Götter und ihr Verhältnis zu den Sterblichen. Tom Holland fügt hinzu: „Der Verfasser der „Ilias“, ein Mann, dessen Geburtsort und dessen Lebensdaten Gegenstand endloser Diskussionen waren, was selbst eine Gestalt mit einer gewissen Aura von Göttlichkeit.“ Einige gingen so weit zu sagen, Homers Vater sei ein Fluss und seine Mutter eine Meeresnymphe gewesen. Der Autor und Journalist Tom Holland studierte in Cambridge und Oxford Geschichte und Literaturwissenschaft.

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Die Folgekosten des „Aufbau Ost“ wurden unterschätzt

Die Neubildung der deutschen Nation – und darum ging es ja bei und nach der Wiedervereinigung von 1990 – schien gelungen. Deutschland war ein postklassischer Nationalstaat, als Großmacht gezähmt, da in vielfältige supranationale Strukturen und Gebilde eingebunden. Die Deutschen hatten aus ihrer Geschichte gelernt und begriffen, dass sie nach zwei Weltkriegen und ungeheuerlichen Verbrechen eine unverhoffte zweite Chance erhielten, wie sie im Leben nur selten vorkommt. Edgar Wolfrum erinnert sich: „Der äußeren Einheit würde rasch die innere Einheit folgen. „Blühende Landschaften“ wurde versprochen. Das war die erste Täuschung.“ Die Transformation von einer sozialistischen Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft verlief nicht reibungslos. Zwischen West und Ost tat sich ein großer Graben auf, die Folgekosten des „Aufbau Ost“ wurden massiv unterschätzt. Edgar Wolfrum ist Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg.

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Die Kultur des Erinnerns bestimmt die Gegenwart

Der Mensch, der nicht vergessen, der Unglück, Enttäuschung, Bitterkeit, Hass nicht hinter ich lassen kann, findet keinen Zugang zur Zukunft. Ihm bleiben der Aufbruch, die Erneuerung, das Fortschreiten verschlossen. Paul Kirchhof weiß: „Die Kultur des Vergessens war jahrhundertelang die Bedingung von Friedenschlüssen.“ Nach Ende des 1. Weltkriegs vereinbarte man im Versailler Vertrag jedoch ein Erinnern. Diese Kultur des Erinnerns, der nachhaltigen Zuweisung von Verantwortung, bestimmt das Denken der Gegenwart. Wer die Vernichtungskraft moderner Waffen und Kriege vor Augen hat, wird erkennen, dass ein Krieg zur Selbstzerstörung führt, deshalb zu verhindern ist. Allerdings darf man das Erinnern der Kriegsfolgen, insbesondere die Ausgleichspflichten, nicht über Generationen hinweg verlängern. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.

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In der Differenz verbirgt sich Schönheit

Hadija Haruna-Oelker erzählt in ihrem Buch „Die Schönheit der Differenz“ ihre persönliche Geschichte. Diese verbindet sie mit hochaktuellen gesellschaftspolitischen Fragen. Sie entwickelt dabei eine Vision davon, wie man ein gelungenes Miteinander in einer Gesellschaft denken kann. Hadija Haruna-Oelker schlägt vor: „Indem wir einander Räume schaffen, Sprache finden, uns mit Offenheit und Neugier begegnen.“ Sie erzählt auch von der Wahrnehmung von Differenzen, von Verbündetsein, Perspektivwechseln und von der Schönheit, die sich aus den Unterschieden der Menschen ergibt. Im Endeffekt ist das Buch eine Einladung an Alle, die über die Zustände in der deutschen Gesellschaft nachdenken möchten. Hadija Haruna-Oelker schreibt für eine diverse Gesellschaft und ihre Schönheit und für alle, die einen Weg dorthin suchen. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk.

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Arbeitnehmer brauchen ein einzigartiges Profil

Im System des singularisierten Arbeitens kann man einen Verlust der Bedeutung formaler Qualifikationen zugunsten dessen beobachten, was im spätmodernen Arbeitsdiskurs häufig als „Kompetenzen“ umschrieben wird. Andreas Reckwitz schränkt ein: „Sicherlich spielen formale Qualifikationen nach wie vor eine Rolle. Und bestimmte von ihnen – Hochschulreife, Studienabschluss – werden für viele Tätigkeiten in der Wissens- und Kulturökonomie erwartet.“ Jedoch sind sie zu einer lediglich notwendigen Bedingung mutiert, auf deren Grundlage eine erste Selektion stattfindet. Eine hinreichende Bedingung sind sie nicht. Denn den eigentlichen Unterschied für die Anstellung, den Status und den Erfolg macht die Besonderheit der informellen Kompetenzen des Einzelnen aus. Grundlegend ist die Annahme, dass die für die Projektarbeit eigentlich bedeutsamen Fähigkeiten über die formal attestierbaren Eigenschafen hinausgehen. Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder.

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Die Demokratie wirkt manchmal ohnmächtig

Wie der Staat beugen sich auch viele Bürger dem Gesetz des Ultrakapitalismus. Dies geschieht aus Ohnmacht, Orientierungslosigkeit und Opportunismus. In den vergangenen vier Jahrzehnten boten die Demokratien keine realistische Alternative zu einer Politik, die sich halb resigniert, halb geschmeidig in den Dienst der Kapital- und Arbeitgeber stellte. Roger de Weck warnt: „Die liberale Demokratie wird jedoch undemokratisch, wenn sie stets den Sachzwängen einer Machtwirtschaft unterliegt, die sie nicht zu ordnen vermag.“ Ein bisschen mehr nach rechts, ein Spürchen nach links – die Wähler wählen, und dann entscheidet der Markt? Auf die Dauer spüren alle, dass in der Wirtschaftspolitik die Regierung tut, was eine andere Regierung auch täte. Die Franzosen sprechen hier vom Einheitsdenken. Roger de Weck ist ein Schweizer Publizist und Ökonom.

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Das Bewusstsein eines anderen ist unergründbar

Es gibt eine besondere Form des Skeptizismus. Diese bleibt auch dann ein Problem, wenn man annimmt, dass das menschliche Bewusstsein nicht das Einzige ist, was es gibt. Dass also die physikalische Welt, die jeder Mensch um sich herum sieht und spürt, den eigenen Körper eingeschlossen, wirklich existiert. Thomas Nagel erläutert. „Es handelt sich um einen Skeptizismus in Bezug auf die Natur oder gar die Existenz eines Bewusstseins außer unserem eigenen oder von Erlebnissen außer unseren eigenen.“ Wie viel weiß man wirklich über das, was im Bewusstsein eines anderen vorgeht? Man beobachtet offenbar nur den Körper eines anderen Wesens, auch eines anderen Menschen. Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel lehrt derzeit unter anderem an der University of California, Berkeley und an der Princeton University.

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Populisten befolgen nicht den Willen des Volkes

Populisten erheben nicht den Anspruch, den Willen des Volkes zugleich zu formen und zu befolgen, wie demokratische Politiker dies im Großen und Ganzen tun. Sie geben vor, sie fänden ihn lediglich vor. Denn der kollektive Wille lässt sich unmittelbar aus dem einen und einzig authentischen Verständnis des Volkes ableiten. Was dagegen zeichnet ein nichtpopulistisches Verständnis von Volk aus? Jan-Werner Müller erklärt: „Die Debatten politischer Philosophen über diese Frage bewegen sich meist zwischen zwei Extremen.“ Auf der einen Seite findet sich die Position, eine moralisch korrekte Theorie sei in der Lage, die politischen Grenzen ein für alle Mal zu klären. Verteidiger des Nationalismus als einer moralischen Theorie vertreten zum Beispiel die Auffassung, alle größeren Gruppierungen mit gemeinsamer Kultur müssten politische Selbstbestimmung genießen. Jan-Werner Müller ist Roger Williams Straus Professor für Sozialwissenschaften an der Princeton University.

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Jeder Mensch sollte einige Grundregeln beherrschen

Eine Flut von Wissen ist für Ille C. Gebeshuber genauso schlecht wie fanatischer, blinder Glaube, der nichts hinterfragt. Deshalb ist es notwendig, das in der generellen Ausbildung das additive Wissen der Wissenschaft durch mutatives, also angepasstes Wissen zu ersetzen. Dieses reduziert man auf ein klares, aber anwendbares Minimum. Dabei ist es im Prinzip nur notwendig, ein gesichertes Maß an Grundregeln zu besitzen. Daneben sollte man die Regeln kennen, mit denen die verfügbaren Informationen zu neuem Wissen zusammengefügt werden können. Ille C. Gebeshuber erklärt: „Mit der Erfahrung einiger Lebensjahre können wichtige Zusammenhänge so selbst erkannt und verstanden werden.“ Den riesigen Haufen an Wissen, der überall verfügbar ist, kann man zur Überprüfung der eigenen Schlüsse heranziehen. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Griechenlands Demokratie war keine Wohlfühloase

Die griechische Demokratie war alles andere als eine Wohlfühloase. Jürgen Wertheime weiß: „Sehr viel eher war sie ein permanentes psychisches und physisches Testlabor und eine Art mentales Trainingslager. Was auf dem Theater durchgespielt wurde, konnte im Alltag auch und gerade bekannter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Tod bedeuten.“ Die großen Philosophen wie Sokrates, Platon, aber auch die Vorsokratiker wie Empedokles standen unter Generalverdacht. Und oft bedurfte es nur einer speziellen politischen Konstellation, um sie zu Fall zu bringen. Für Platon zum Beispiel waren die Herrschaftsmethoden der 30 Oligarchen ein tiefer Schock. Diese hatten 404 v. Chr. nach der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg die Macht an sich gerissen. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Ein Erlebnis beschreibt die subjektive Wahrnehmung

Der Gedanke, dass jede Gruppe ihre eigene Identität hat, die Außenstehenden nicht zugänglich ist, spiegelt sich im Gebrauch des Begriffs „gelebte Erfahrung“ wider. Dieser ist seit den siebziger Jahren in der Populärkultur explosionsartig gewachsen. Francis Fukuyama stellt fest: „Die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Erlebnis beschäftigte eine Reihe von Denkern im 19. Jahrhundert.“ Erfahrung kann man teilen, wenn man etwa chemische Experimente in unterschiedlichen Laboratorien nachstellt. Erlebnis dagegen beschreibt die subjektive Wahrnehmung von Erfahrungen, die sich nicht unbedingt teilen lassen. Der Schriftsteller Walter Benjamin war der Ansicht, dass sich die Moderne aus „Schockerfahrungen“ zusammensetzt. Diese hindern die Individuen daran, ihr Leben als Ganzes zu sehen und erschweren es, Erlebnis in Erfahrung umzuwandeln. Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker der Gegenwart. Sein Bestseller „Das Ende der Geschichte“ machte ihn international bekannt.

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Die Wahrheit ist in großer Gefahr

Es tobt eine Riesenschlacht um die Wahrheit. Es gibt Fake News, alternative Fakten, Verschwörungstheorien, die Lügenpresse und ein postfaktisches Zeitalter. Die Öffentlichkeit wird erschüttert von Schlagworten und Diskussionen um alles oder nichts. Peter Trawny warnt in seinem neuen Buch „Krise der Wahrheit“: „Die Situation ist unübersichtlich. Es droht ein allgemeiner Orientierungsverlust. Alles weist darauf hin, dass es einen gefährlichen Anschlag auf die Wirklichkeit gibt, eine Krise der Wahrheit.“ Aus unsichtbaren Informationskanälen bricht ein Virus hervor und vergiftet die Gesellschaft. Ein Streit um die Deutungshoheit der Wahrheit ist unvermeidbar. Der Naturwissenschaft liegen Regeln zugrunde, die alle kennen können und wenig Anlass zu Misstrauen bieten. Die Frage wäre also, warum man diese Regeln zu ignorieren versucht. Peter Trawny gründete 2012 das Matin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, dessen Leitung er seitdem innehat.

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Der Kapitalismus schien 1989 triumphiert zu haben

Dass es in den USA und vielen anderen Industriestaaten nicht besonders gut läuft ist noch gelinde ausgedrückt. Im ganzen Land herrscht weitverbreiteter Unmut. Joseph Stiglitz erläutert: „Den in den letzten 25 Jahren vorherrschenden wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Theorien zufolge war das nicht zu erwarten.“ Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 verkündete Francis Fukuyama „Das Ende der Geschichte“. Denn seiner Meinung nach hätten die Demokratie und der Kapitalismus endgültig triumphiert. Eine neue Ära globalen Wohlstands mit höherem Wirtschaftswachstum den je zuvor stünde jetzt bevor. Und Amerika würde dabei die Führung übernehmen. Heute scheint von diesen hochfliegenden Ideen nichts mehr übrig zu sein. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

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Manche Philosophen halten den Geist für ein Gespenst

Eine mächtige Strömung der Philosophie des Geistes speist sich aus einer peinlichen, aber tiefsitzenden Äquivokation. Dabei verwechselt man den Geist mit einem Gespenst, das heißt mit einem Phantom. Markus Gabriel erläutert: „Der Geist wird für diese Strömung dadurch zum Phantom, dass er durch diejenige begriffliche Voreinstellung durch das Raster der Wirklichkeit fällt.“ Das ist objektiv und damit insbesondere unabhängig von der subjektiv gefärbten Auffassung eines bewussten, geistigen Lebewesens der Fall. Als geistiges Lebewesen kann man sich über allerlei im Irrtum befinden. Daher liegt es nahe, das Subjekt lieber gleich aus der Wirklichkeit zu entfernen. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

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Die vierte Gewalt existiert nicht mehr

Rudolf Augstein, Gerd Bucerius und Henri Nannen – Mogule von Besatzers Gnaden. Und wie die Helden in Hollywoodwestern, die zu ihrer Zeit über die Bildschirme flimmerten, verkörperten sie das Ideal von Freiheit. Anders Indset erklärt: „Freiheit der Meinung verbunden mit informationeller Selbstbestimmung. Die vierte Gewalt.“ Doch wo findet man diese vierte Gewalt heute? Wo sind die Meinungsmacher geblieben? Vielleicht versteckt hinter „Fassaden in der Mache“ als Influencer oder Getriebene von einer technologischen Elite, um neue Medienplattformen zu schaffen. Denn Medien lieben die Erfolgreichen, Erfolgreiche lieben die Medien. Clubhouse, Podcast, IGTV … Frei nach Neil Postman sind viele Menschen dabei, sie zu Tode zu amüsieren. Noch schlimmer, sie betäuben sich allumfänglich, der sie in eine unbewusst konsumierende Gesellschaft der Gefälligkeit versetzt. Anders Indset, gebürtiger Norweger, ist Philosoph, Publizist und erfolgreicher Unternehmer.

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Christopher Clark kennt die Geschichte der Mächte

Die Geschichte der Mächte konnte sich unter der Rubrik Disruption und Wandel entfalten.“ „Zerbrechlichkeit und Instabilität sind untrennbar mit den Werken der Menschen verbunden“. Das schrieb Friedrich II. von Preußen im Jahr 1751. Und das sei auch gut so, glaubte der König. Denn wenn es keine großen Unruhen gebe, gebe es „auch keine großen Ereignisse.“ Der von Aufstieg und Niedergang, den die großen Mächte der Weltgeschichte beschrieben, erinnerte den König an die regelmäßigen Bewegungen der Planeten. Christopher Clark fügt hinzu: „Die Untersuchung der Laufbahn großer Staaten handelte somit von der Veränderlichkeit und Unbeständigkeit von Macht. Die Hegemonie jedes einzelnen Staates war stets befristet.“ Die mächtigen Reiche des Altertums im Nahen Osten, in Griechenland und Rom sind inzwischen nur noch Ruinen. Christopher Clark lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine`s College in Cambridge.

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Die Physik besteht aus vielen Spezialgebieten

Die Physik ist ein riesiges Gebiet, das aus einem breiten Spektrum von Spezialgebieten und Unter-Spezialgebieten besteht. Leonard Mlodinow konkretisiert: „Einige Forscher beschäftigen sich damit, die fundamentalten Naturgesetze zu enthüllen. Andere konzentrieren sich darauf, diese Gesetzte aus spezifische Phänomene oder Systeme anzuwenden.“ So werden in der Optik, beispielsweise, die Grundgesetze des Elektromagnetismus angewandt, um das Verhalten von Licht und seine Wechselwirkung mit Materie zu untersuchen. In der Kernphysik geht es darum, das Wechselspiel von Protonen und Neutronen innerhalb des Atomkerns zu verstehen. In der Quanteninformation setzt man die Grundgesetze der Quantentheorie ein, um Hochleistungscomputer zu schaffen. Die Erforschung der fundamentalen Naturgesetze ruht hingegen allein auf zwei Hauptsäulen. Leonard Mlodinow, Physiker und Autor, lehrte am California Institut of Technology in Pasadena.

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Breite Gruppen der Bevölkerung erleiden Verluste

Nicht nur Menschen mit sehr hohem Einkommen und Vermögen müssen in der Coronakrise Einbußen hinnehmen. Clemens Fuest weiß: „Breite Gruppen der Bevölkerung erleiden Verluste, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise. Altere Menschen sind anders betroffen als junge, Selbstständige anders als abhängig Beschäftigte.“ Das Ausbildungsniveau, der Sektor, in dem man arbeitet, all das spielt eine Rolle. Rentner und Pensionäre erleiden zumindest kurzfristig quasi keine Einkommensverluste. Allerdings haben ältere Menschen höhere Ersparnisse. Bei Unternehmen und Freiberuflern besteht die Altersversorgung oft ganz aus angespartem Kapital. In dieser Gruppe dürfte es durch die Coronakrise hohe Verluste geben, weil viele Vermögensanlagen an Wert verloren haben. Unter denjenigen, die noch im Arbeitsleben stehen, ist die Betroffenheit ebenfalls sehr unterschiedlich. Clemens Fuest ist seit April 2017 Präsident des ifo Instituts.

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Manchmal findet man eine verwandte Seele

Manchmal verstärkt ein seltsames Gefühl von Evidenz noch die Verwirrung. Charles Pépin schreibt: „Ich kenne diese Person nicht, ich habe sie gerade kennengelernt, und doch bin ich mir sicher: Sie ist es.“ Dieses Gefühl gibt einem Menschen Vertrauen angesichts des Unbekannten, das es schon nicht mehr wirklich ist. Man läuft jemandem zufällig über den Weg, doch es kommt einem vor, als hätte man dieser Person begegnen müssen. Als wäre man mit ihr verabredet. Dieser Eindruck der Vertrautheit, den man beim ersten Mal im Beisein eines Menschen hat, der einem lieb und teuer geworden ist, beruht auf Gegenseitigkeit. Man fühlt sich sofort wohl in der Gegenwart des anderen, das Verständnis ist beiderseitig. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Die Moral fügt Schmerzen zu

In seinem neuen Buch „Moral als Bosheit“ beschreibt Alexander Sobek seine Auffassung über das Verhältnis von Recht und Moral. Dazu verwendet er als Instrument eine rechtsphilosophische Analyse. Dabei beschäftigt es sich auch mit der Figur des alten weißen Mannes. Denn für manche, und das sind nicht wenige, ist er das Wahrzeichen aller Übel. Und er eignet sich wunderbar dazu, gehasst zu werden. Obwohl er stereotypisch festgelegt ist, bleibt dieser Ungeliebte dennoch eine Rätselgestalt. Könnte es sich bei ihm nicht sogar um einen Wiedergänger von Vernunft und Aufklärung handeln? Immerhin tritt er so auf. Der Autor weiß, dass er für diesen inopportunen Gedanken mit allerlei Angriffen rechnen muss. Er nimmt sich jedoch vor, sie demütig zu ertragen. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

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Die Romantik ist der Antipode der Aufklärung

Das Leben kann ganz anders sein. Denn dass hinter der trivialen Alltagsexistenz eine Welt voller wertvoller, authentischer Möglichkeiten liegt, ist das schlagende Herz jeder romantischen Revolte. Philipp Blom erklärt: „Historisch ist die Romantik immer der Antipode der Aufklärung gewesen, ihre Negierung.“ Tatsächlich aber haben sich viele der interessantesten Denker und Denkerinnen von Michel de Montaigne bis Hannah Ahrendt zwischen diesen beiden Polen bewegt und aus beiden Energie gewonnen. Der amerikanische Philosoph Richard Rorty beschreibt die romantische Haltung gegenüber der Vernunft: „Im Herzen der Romantik (…) ist die Behauptung, dass die Vernunft nur Pfaden folgen kann, die die Vorstellungskraft zuerst erschlossen hat. Ohne Worte, keine Gedanken. Keine Vorstellungskraft, keine neuen Worte. Keine solchen Worte, kein moralischer und intellektueller Fortschritt.“ Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford.

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Klaus-Peter Hufer stellt Definitionen von Moral vor

Eine Definition von Moral stammt von Detlef Horster, der Philosophie-Professor in Hannover ist: „Moral ist die Gesamtheit der Regeln, die zur Realisierung der Werte oder zum Wohl der Menschen beitragen. Man kann auch sagen, dass die moralischen Regeln, wenn sie angewendet werden, die Menschen, die vom Handeln anderer betroffen sind, schützen sollen.“ Nach einer anderen Definition wäre Moral jenes Regelwerk, das auf die zwingende Einhaltung von menschlichem Verhalten gemäß der erstellten Normen achtet. Klaus-Peter Hufer stellt sich dazu unter anderem folgende Fragen: „Doch wer stellt die Regeln auf, und mit welcher Begründung? Welche Normen sollen eingehalten werden? Gibt es dafür qualitative Kriterien?“ Klaus-Peter Hufer promovierte 1984 in Politikwissenschaften, 2001 folgte die Habilitation in Erziehungswissenschaften. Danach lehrte er als außerplanmäßiger Professor an der Uni Duisburg-Essen.

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Die Musik macht den Menschen vollkommen

Musik und Lieder sind die harmonischen Elemente der Menschlichkeit. So steht es im chinesischen „Buch der Riten, Sitten und Gebräuche“. Musik und musikalische Gesetze geben den Rhythmus und Takt im gelingenden Miteinander an. Sie bestimmen Form und Ausdruck der Mitmenschlichkeit. Und sie stehen für Sensibilität, Feinfühligkeit, Harmonie und Achtsamkeit im Umgang mit anderen Menschen. Albert Kitzler fügt hinzu: „Wir hören dem anderen zu und werden von ihm gehört. Wir gehen aufeinander zu un finden Stimmigkeit im gegenseitigen Verstehen und Handeln.“ Konfuzius sagt: „Die Lieder erheben den Menschen. Die Musik macht ihn vollkommen.“ Mit „erheben“ dürfte er meinen, dass die Lieder das Bewusstsein aus dem Verhaftet-Sein im gewöhnlichen Alltag auf eine höhere Ebene versetzen. Der Philosoph und Jurist Dr. Albert Kitzler ist Gründer und Leiter von „MASS UND MITTE“ – Schule für antike Lebensweisheit.

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Viele Menschen machen sich selbst zum Ding

Theodor W. Adorno spricht von der systematischen Schaffung eines „verdinglichten Bewusstseins“, das sich stillschweigend in den demokratischen Ländern ausbreitet. Es führt leicht zur massenhaften Identifizierung mit einem Kollektiv sowie zu einer Gleichschaltung. Diese reagiert sofort auf jeglichen Ausdruck von Andersartigkeit. Isabella Guanzini erläutert: „Diese Tendenz, sich gegen das Abweichende, gegen Leid und Angst zu panzern, verwandelt die Subjekte in Dinge.“ Wer sich selbst zu einem Ding macht, neigt zwangsläufig dazu, die anderen ebenfalls ausnahmslos als Dinge zu behandeln. Dadurch entsteht ein Klima, in dem das grundlegende Erleben von Nähe und Mitgefühl fehlt. Diese verdinglichte und apathische Atmosphäre geht mit der allgemein verbreiteten Bereitschaft zur Verdrängung des Geschehenen einher. Daher kann eine reife und bewusste Aufarbeitung des Grauens von Auschwitz nicht stattfinden. Isabella Guanzini ist Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Graz.

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